Donnerstag, 06 Rabi' al-thani 1440 | 13/12/2018
Uhrzeit: (M.M.T)
Menu
Hauptmenü
Hauptmenü
  •   |  

بسم الله الرحمن الرحيم

 Antwort auf eine Frage

Trump drängt die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und vor allem Saudi-Arabien dazu, die Produktion von Erdöl zu steigern und die Preise zu senken

Frage:

Auf einer Wahlveranstaltung im US-Bundesstaat Mississippi am 02. Oktober 2018 anlässlich der bevorstehenden Midterm-Elections sprach Trump Drohungen gegen das Königreich Saudi-Arabien aus. Er demonstrierte vor seinen Anhängern seine Entschlossenheit, sich des Problems steigender Ölpreise anzunehmen und sagte: „Was ist mit unseren Militärdeals, mit denen wir reiche Nationen schützen, ohne dafür eine finanzielle Gegenleistung zu erhalten. Was ist mit diesem Zeug, ich meine Erdöl? Auch das verändert die Situation der Menschen. Wir beschützen das Königreich Saudi-Arabien. Würde man sagen, es ist reich? Und ich mag den König – König Salman. Doch ich sagte zu Ihm: 'König, wir beschützen dich. Du würdest dich nicht einmal zwei Wochen halten können ohne uns. Du musst für deine Armee zahlen.“ (Al-Khaleej online, 03.10.2018)

Es geht mir nicht um die Frage, wie die saudischen Herrscher zu solch einer Erniedrigung schweigen können. Denn sie werden weiterhin folgsame Ergebene der Amerikaner bleiben. Sie verachten sich selbst und wer sich selbst geringschätzt, der lässt sich geringschätzen. Doch ich möchte wissen, was Trump dazu veranlasst, in solch scharfen Tönen von Saudi-Arabien zu verlangen, ihre Erdölproduktion zu steigern und die Preise zu senken, obwohl die Vereinigten Staaten der größte Produzent sind und es ihnen im Alleingang möglich wäre, eine Preissenkung zu bestimmen? Und warum lässt er es gerade jetzt auf eine Eskalation ankommen? Und schließlich, warum ging der Erdölpreis trotz des Drucks von amerikanischer Seite nicht runter? Jazāk Allāhu ḫairan.

Antwort:

Du hast es treffend formuliert: Wer sich selbst geringschätzt, der lässt sich leicht geringschätzen. Alleine die jüngsten verbalen Ergüsse Trumps über die Herrscher Saudi-Arabiens hätten ausgereicht, um jedwede Beziehungen zu den USA zu zerreißen und vielleicht noch weitere Maßnahmen zu setzen. Das wäre geschehen, würden sie einen Funken Scham vor Allah (t), dem Gesandten (s) und den Gläubigen besitzen. Doch das haben sie nicht. Und der Gesandte (s) hat Wahres gesprochen, als er sagte: «إِنَّ مِمَّا أَدْرَكَ النَّاسُ مِنْ كَلَامِ النُّبُوَّةِ إِذَا لَمْ تَسْتَحْيِ فَاصْنَعْ مَا شِئْتَ»„Wahrlich, von dem, was die Menschen von den Worten der (ersten) Propheten erreichte, zählt: „Wenn du keine Scham besitzt, so tue, was du willst.“ (bei al-Buḫārīüberliefert)

Zur Beantwortung deiner Frage bzw. Fragen ist Folgendes zu sagen:

1. Als Donald Trump sein Amt im Januar 2017 übernahm, bewegte sich der Erdölpreis bei etwa 57 US-Dollar pro Barrel. Im Juni 2017 sank er auf 45 US-Dollar pro Barrel. Danach ging er kontinuierlich rauf. Heute kostet ein Barrel der Sorte Brent Crude 86 US-Dollar pro Barrel und einige Analysten prophezeien sogar einen Ölpreis von bis zu 100 US-Dollar pro Barrel.

Am 05. Juli 2018 schrieb Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Das OPEC-Monopol muss sich daran erinnern, dass die Benzinpreise steigen und es wenig tut, um zu helfen. Wenn überhaupt, dann treiben sie die Preise in die Höhe, während die Vereinigten Staaten viele der Mitglieder (d. h. der OPEC-Länder) für sehr wenig Dollar verteidigen. Das ist keine Einbahnstraße, d. h. 'wir unterstützen euch im Gegenzug für reduzierte Preise.' (…) 'Jetzt die Preise reduzieren.'“ Einige Tage zuvor, am 30. Juni 2018, hatte er via Twitter wissen lassen: „Sprach gerade mit König Salman, dem König von Saudi-Arabien, und erklärte ihm, dass ich aufgrund der Turbulenzen und Störungen im Iran und in Venezuela von Saudi-Arabien verlange, die Erdölproduktion hochzufahren, möglicherweise bis zu zwei Millionen Barrel mehr, um die Ausfälle auszugleichen. (…) 'Preise zu hoch!' Er stimmte zu!“ (Al-Hurra, 30.06.2018)

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung am 25. September 2018 teilte Trump verbal gegen die OPEC aus und sagte: „OPEC und die OPEC-Staaten zocken wie immer alle anderen Länder ab, und das gefällt mir nicht. Das sollte niemandem gefallen. Viele dieser Länder verteidigen wir, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, und dann nutzen sie uns aus und verlangen hohe Ölpreise von uns. Nicht Gut. (…) Wir werden das – diese schrecklichen Preise – nicht länger hinnehmen.“ (Sputnik, 25.09.2018) „Wir schützen die Länder des Nahen Ostens. Ohne uns wären sie lange nicht sicher. Trotzdem sorgen sie für immer höhere Ölpreise. Daran werden wir uns erinnern. Die OPEC, die das Monopol über die Märkte hat, muss mit dem Preis runtergehen“, schrieb Trump am 27. September 2018 im Kurznachrichtendienst.

So wie in der Frage bereits erwähnt, drohte Trump am 02. Oktober 2018 auf einer Wahlkampfveranstaltung der Midterm-Elections in Mississippi den Saudis und demonstrierte seinen Unterstützern, wie er mit dem Anstieg der Erdölpreise umgeht: „Was ist mit unseren Militärdeals. Wir schützen die reichen Nationen, ohne dafür eine finanzielle Gegenleistung zu erhalten. Was ist mit diesem Zeug, ich meine das Erdöl? Auch das verändert die Situation der Menschen. Wir beschützen das Königreich Saudi-Arabien. Würde man sagen, es ist reich? Ich mag den König – König Salman. Doch ich sagte zu Ihm: 'König, wir beschützen dich. Du würdest dich nicht einmal zwei Wochen halten können, ohne uns. Du musst für deine Armee zahlen.'“ (Al-Khaleej online, 03.10.2018)

Das alles zeigt, dass die derzeitige Situation Trump umtreibt und er eine Erhöhung der Fördermenge als erforderlich ansieht - allerdings von den OPEC-Staaten und vor allem von Saudi-Arabien.

2. Es ist richtig, dass nach Angaben der US-amerikanischen Energieinformationsbehörde (EIA) die USA weltweit der größte Erdölproduzent ist. Die EIA ist eine Hauptstelle des US-amerikanischen Statistischen Systems, das Energieinformationen sammelt, analysiert und verbreitet. Ende 2017 hat dieses Amt eine Liste der weltweit geförderten Erdölmenge veröffentlicht, die zum damaligen Zeitpunkt bei einem Volumen von 95 Millionen Barrel pro Tag lag. Dieser Erhebung zufolge gehören die folgenden sieben Staaten zu den weltgrößten Erdölproduzenten: USA (14, 46 Millionen Barrel/T), Saudi-Arabien (12,08 Millionen Barrel/T), Russland (11,18 Millionen Barrel/T), Kanada (4,87 Millionen Barrel/T), Iran (mit 4,67 Barrel/T), Irak (4,48 Millionen Barrel/T), China (4,45 Millionen Barrel/T).

Die USA sind nach wie vor größter Erdölproduzent, gefolgt von Saudi-Arabien und Russland.

3. Es trifft ebenfalls zu, dass die USA imstande wären, die Fördermenge an Erdöl nach eigenem Bedarf zu erhöhen, zumal sie über einen riesigen Bestand an Schieferöl verfügen. Doch etwas hält sie zurück, darauf zurückzugreifen:

a) Die eigenen Vorräte und Reserven sollen verschont bleiben

b) Es gibt dummdreiste Herrscher (ruwaibiḍāt), die lediglich US-Befehle umsetzen, selbst wenn es ihre eigene Demütigung bedeutet und selbst dann, wenn es zu ihrem eigenen Schaden ist. Die saudischen Herrscher sind das Beispiel dafür. Die USA verlangen von Saudi-Arabien, den Ölpreis zu senken, um das Öl günstig an das eigene Volk weiterzugeben, nachdem der Rohölpreis der Sorte Brent Crude die Rekordmarke von 80-Dollar pro Barrel im September dieses Jahres fast geknackt hatte. Am 14.09.2018 kletterte der Preis für die Sorte Brent Crude bis an die Rekordmarke von 78,21 Dollar pro Barrel. Es ist der stärkste Anstieg seit dem 22.05.2018. (Reuters, 14.09.2018) Die Produktion der OPEC-Staaten stieg auf 32,79 Barrel pro Tag an. Saudi-Arabien, das eine kalkulierte Anhebung seiner Fördermenge versprochen hatte, erklärte, dass die Entscheidung in Form einer Erhöhung der Produktion um ca. eine Million Barrel pro Tag umgesetzt werden würde. (Reuters, 31.08.2018) Nach Angaben dieser Quelle informierte Saudi-Arabien, als das Preisniveau des Rohöls der Sorte Brent Crude gegen 80 Dollar pro Barrel tendierte, die Märkte frühzeitig über die gesteigerte Fördermenge des Vormonats. Solche Informationen würden normalerweise nicht offengelegt.

Das derzeitige Regime in Saudi-Arabien ist ein Vasall der USA, der ihnen immense Dienste leistet, zumal das Königreich Saudi-Arabien eine wesentliche Rolle bei der Stabilisierung der Ölmärkte spielt. Was Saudi-Arabien selbst betrifft, so ist das Land gerade jetzt auf hohe Ölpreise angewiesen. Denn die saudische Wirtschaft steht unter massivem ökonomischem Druck, nachdem der Ölpreis 2014 eingebrochen war. Denn Erdöl stellt den Eckpfeiler des saudischen Staatshaushalts dar. Und es ist bekannt, dass Staaten, deren Gesamteinnahmen zu mehr als der Hälfte aus dem Erdöl kommen, auf Ölpreise angewiesen sind, die sich oberhalb der 80 Dollar-Marke pro Barrel bewegen, damit ein ausgeglichener Staatshaushalt gewährleistet ist. Das heißt, die Einkünfte aus dem Erdöl müssen hoch genug sein, um die Ausgaben zu decken und erst recht, wenn der Haushalt, wie im Falle Saudi-Arabiens, zu 100% von Öleinnahmen abhängt. Der für Saudi-Arabien adäquate Preis müsste daher oberhalb der 80 Dollar-Marke pro Barrel, optimal jedoch bei ca. 100 Dollar liegen, damit der Staatshaushalt gedeckt ist und ein Wachstum der derzeit kriselnden Wirtschaft angekurbelt wird. Dennoch stimmt die saudische Führung zu, die Erdölproduktion hochzufahren, um den Ölpreis zu drücken, obwohl es dem eigenen Land schadet. Und das nur aus Gefälligkeit zu Trump, der den saudischen Herrscher öffentlich bloßgestellt hat, als er ihm vorhielt, sein Thron würde zusammenbrechen, wären da nicht die Vereinigten Staaten. Das jedoch überhören die saudischen Herrscher, und deren Kronprinz erklärt dazu noch, Saudi-Arabien sei bereit, den Ausfall iranischen Erdöls aufzufangen. Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte am 06. Oktober 2018 Aussagen bin Salmans, wonach dieser zu dem Versprechen stehe, den Ausfall des iranischen Öls auszugleichen. „Saudi-Arabien fördert nun 10,7 Millionen Barrel täglich und ist zur Förderung zusätzlicher 1,3 Millionen Barrel bereit, falls der Markt es erfordert“, kündigte bin Salman an.

Solange also jemand aus dem Kreis der Vasallen Amerikas die Bereitschaft hat, sich selbst zu schädigen, um den Wunsch Trumps zu erfüllen, mehr Öl zu pumpen, warum sollte Amerika dann die eigenen Vorräte anzapfen?!

4. Warum Trump die OPEC-Länder und primär Saudi-Arabien zur Erhöhung der Fördermengen bei gleichzeitiger Senkung der Ölpreise drängt, liegt an zwei Faktoren, die Trump in Bedrängnis bringen könnten, sollten sie nicht rasch und unverzüglich gelöst werden. Die USA wären durchaus imstande, den Preisanstieg des Öls durch das Drucken neuer Geldnoten zu kompensieren, so wie sie es während des Preisanstiegs in der Vergangenheit getan hatten. Damals kletterte das Öl auf ein Preisniveau von 150 Dollar pro Barrel. Wir hatten am 16.05.2009 eine Antwort dazu veröffentlicht, wo wir erklärten: Die USA sind in der Lage mit Genehmigung des Weltwährungsfonds oder auch heimlich bzw. „offen“ ohne dessen Genehmigung, neue Dollarnoten zu drucken. Denn de facto haben sie im Weltwährungsfond das Sagen. Die USA könnten fadenscheinige Gründe vorlegen und die Wahrheit vertuschen. Der WWF würde die nötige Rückendeckung bieten. Doch das Drucken von Banknoten würde zu einem Wertverfall des Dollar führen und damit zu eine Inflation, also zu Preiserhöhungen. Die USA würden nur dann zu einer solchen Maßnahme greifen, wenn ein dringendes Interesse vorläge. So hatten zum Beispiel die Nachrichtenagenturen gemeldet, dass die USA zwischen 'zwei und drei Billionen' (US-Dollar) während der Spekulationen an der Ölbörse gedruckt hätten, die den Ölpreis auf fast 150 Dollar pro Barrel klettern ließen. 'Amerika war nicht weit weg von diesen Spekulationen' Die USA druckten die Noten, um - direkt oder indirekt - die größtmögliche Menge an Erdöl aufkaufen zu können, damit sie ihre Reserven aufstocken. Darin sah Amerika ein nationales Interesse, das Priorität hat vor Preiserhöhungen und vor einem Dollarverfall.“ Doch um ein solches Szenario hervorzubringen, bedarf es Zeit. Beide Faktoren jedoch, um die es hier geht, bedürfen einer raschen Lösung, sonst würde Trump, wie erwähnt, in arge Bedrängnis kommen. Daher ergoss sich der Zorn Donald Trumps über die Organisation der OPEC und insbesondere über das OPEC -Mitglied Saudi-Arabien. Und die beiden Faktoren, um die es hier geht, sind die folgenden:

Erstens:

Die Iran-Sanktionen

Der Iran gilt als drittgrößter Rohöllieferant aus den OPEC-Ländern, nach Saudi-Arabien und dem Irak. Er fördert rund 4 Millionen Barrel pro Tag. Durch die verhängten Sanktionen wird es jedoch zu einem Exporteinbruch von iranischem Öl kommen, besonders im Monat November, wenn die Sanktionen sowohl gegen den Iran als auch gegen die Importstaaten des iranischen Öls verschärft werden. Denn die USA haben von den Konzernen zunächst die Drosselung des Ölimports aus dem Iran verlangt, bevor sie als nächsten Schritt ganz aus den Verträgen mit dem Iran aussteigen sollen, was zu einem Exporteinbruch iranischer Güter führen wird. Doch Saudi-Arabien wäre in der Lage, wenn nötig, die Erdölproduktion hochzufahren. Das heißt, das Land ist dazu bereit, das Angebotsleck aus dem Iran auszugleichen. „Wir exportieren bis zu zwei Barrel Öl pro Barrel aus dem Iran, die zuletzt wegen der amerikanischen Sanktionen fehlten. Wir tun unsere Pflicht und mehr“, so der Kronprinz. Das Königreich pumpe derzeit rund 10,7 Millionen Barrel täglich, was nahe an einem Rekord sei. Es sei möglich, zusätzlich 1,3 Millionen Barrel zu fördern, sollte es der Ölmarkt erfordern. (www.akhbarak.net, 08.10.018)

Die USA sind entschlossen, die gegen den Ölexport gerichteten Sanktionen gegen den Iran ab dem 04.11.2018 zu verschärfen. Sie üben weltweit stärkeren Druck auf Regierungen und Unternehmen aus, sich den Sanktionen anzuschließen und Einkäufe aus dem Iran zu drosseln. Das bedeutet, dass das Angebot auf den internationalen Ölmärkten knapper werden wird. Wie aus dem oben erwähnten Bericht zu den sieben weltgrößten Erdölproduzenten hervorgeht, pumpte der Iran mehr als 4 Millionen Barrel Öl pro Tag, „was derzeit rückläufig“ ist. Die Hälfte der Fördermenge, die bei ca. zwei Millionen Barrel liegt, wird in die Türkei sowie nach Indien und China exportiert. Trump erwartet jedoch, dass die Sanktionsmaßnahmen auch auf diese zwei Millionen greifen. Die USA wollen diesen erwarteten Ausfall über Staaten wie Saudi-Arabien und andere OPEC-Mitglieder auffangen, um sich, nachdem sie aus dem Atomabkommen ausgestiegen sind, der Sache Irans fernab von China, Europa und Russlands anzunehmen. Dieser Iran-Atomdeal war vor drei Jahren mit den genannten Staaten geschlossen worden. Den USA jedoch schwebt ein Abkommen mit dem Iran auf bilateraler Ebene vor. Präsident Trump hatte seine Bereitschaft zu solch einer Vereinbarung bereits signalisiert. Doch müssen zunächst die inneriranischen Bedingungen dafür geschaffen werden. Und das könnte Zeit in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit will Trump einen Ausgleich für das fehlende Erdöl schaffen, bis es ihm möglich sein würde, ein bilaterales Abkommen zwischen den USA und dem Iran unter Ausschluss Europas auf den Weg zu bringen. Sollte allerdings die Verknappung auf den Ölmärkten nicht aufgefangen werden und ein Anstieg der Ölpreise folgen, wäre Trump in einer Zwickmühle. Denn seine Sanktionen bauen darauf, dass das fehlende Öl aus dem Iran mittels seiner Drohungen gegen Saudi-Arabien und die OPEC ausgeglichen werden würde. Im Klartext: Amerika möchte das Problem eines knappen Angebots auf den Ölmärkten umgehen und sicherstellen, dass es zu keinem Preisanstieg des Erdöls kommt, bis die fraglichen Angelegenheiten mit dem Iran geklärt sind. Das wiederum könnte unter Umständen Zeit beanspruchen.

Aus diesem Grund drängt Trump die OPEC-Staaten und Saudi-Arabien im Besonderen dazu, das fehlende Erdöl aus dem Iran zu ersetzen. Der Stichtag hierfür ist der 04. November. Ein rückläufiges Angebot, das aus den Sanktionen resultierte, die Trump am 21. Mai 2018 gegen Venezuela verhängte, konnte man bereits erkennen, auch wenn sie weniger gravierend waren. Die derzeitige Fördermenge Venezuelas liegt nämlich bei ca. 1,5 Millionen Barrel pro Tag.

Zweiter Faktor: Die Wahlen in den USA

Der erhöhte Erdölpreis stellt Donald Trump, der sich im November den Midtime-Wahlen stellen muss, vor ein Problem. Steigende Ölpreise wirken sich direkt darauf aus, ob seine Unterstützer in ihren Ämtern bleiben dürfen oder nicht, zumal die meisten Meinungsumfragen eine Mehrheit für die Demokraten im Kongress vorhersagen. Um dem amerikanischen Wähler zu suggerieren, Amerika habe für ihn oberste Priorität, überzieht Trump die OPEC und Saudi-Arabien mit Vorwürfen und drängt darauf, mehr Öl zu fördern. Gleichzeitig nötigt Trumps Regierung die Staaten China, Indien und die Türkei dazu, ihre Beziehungen zum Iran abzubrechen und ihr Rohöl woanders zu beziehen. Es kommt hinzu, dass sich steigende Erdölpreise direkt auf die Benzinrechnung des amerikanischen Verbrauchers niederschlagen. Und das wäre nicht gerade von Vorteil, um bei den Midterm-Wahlen zu punkten. Die Bürger in den USA blicken stets mit Argusaugen auf steigende Brennstoffpreise. Eine mögliche Tendenz ihrer Regierung in Richtung Preiserhöhung nehmen sie nicht so einfach hin. Daher zeigt Trump, wenn es um die Erhöhung der Ölpreise geht, mit dem Finger auf die Golf-Staaten und auf die OPEC und bombardiert sie mit verbalen Attacken. Damit möchte er sich vor dem amerikanischen Volk als Anwalt ihrer Belange inszenieren, der dazu noch fähig ist, Saudi-Arabien und die OPEC so weit unter Druck zu setzen, dass sie die Preise senken, was besonders in dieser Phase der US-Wahlen von Interesse ist. Das ist gerade jetzt notwendiger denn je, denn der amerikanische Präsident und seine republikanische Partei sind dringend auf die amerikanischen Wähler bei den Midterms am 06. November angewiesen, gerade weil die Meinungsumfragen auf einen Sieg der Demokraten hindeuten.

5) Warum die Erdölpreise trotz des Drucks und der Drohungen Trumps und trotz des Nachgebens Saudi-Arabiens nach wie vor nach oben klettern, liegt an anderen OPEC-Mitgliedern, die europäisch ausgerichtet sind und sich den Amerikanern in die Quere stellen. Und da gibt es noch Russland. Von diesen Seiten, vor allem von jenen, die Verbindungen nach Europa haben, ist nicht zu erwarten, dass sie so einfach die amerikanischen Forderungen erfüllen und wenn, dann nicht in der Eile, die Trump sich wünschen würde. Saudi-Arabien ist zwar Amerikas verlängerter Arm innerhalb der OPEC. Doch dort gibt es eben auch andere, die bestimmte Interessen haben, darunter Mitglieder, die zum Gefolge europäischer Großmächte gehören. Diese OPEC-Länder werden sich wahrscheinlich nicht so leicht den US-Forderungen beugen. Darüber hinaus gibt es OPEC-Partner, wie etwa Russland, die eigene Interessen verfolgen. Das macht es der amerikanischen Seite nicht gerade einfach, ihren Willen vollständig durchzusetzen.

In seinem Versuch, die Ölpreise runterzudrücken, forderte der amerikanische Präsident, die Fördermenge anzuheben. Trotzdem konnte sich die Organisation erdölexportierender Staaten und ihre Verbündeten nicht dazu durchringen, sich gemeinsam während ihres Algier-Treffens am 23. September 2018 auf eine zusätzliche Erhöhung der Produktionsmenge zu einigen – und das entgegen der Aufforderung Trumps.

Hingegen schafften es die USA seit 2017 bis heute, Russland mithilfe Saudi-Arabiens unter Druck zu setzen und das Land in die Enge zu treiben. Russland kam der Aufforderung Amerikas nach und förderte mehr Öl, was die Preise sinken ließ. Zum ersten Mal besuchte ein saudischer König Russland, um an einem Treffen zwischen Opec- und Nicht-Opec-Ländern, vor allen Dingen mit Russland, teilzunehmen. König Salman besuchte also im Oktober 2017 Russland und war bei dem OPEC-Treffen anwesend. Danach stabilisierte sich der Erdölpreis bei einem Preisniveau von 60-Dollar pro Barrel, bevor er, wie oben dargelegt, Mitte dieses Jahres erneut begann, nach oben zu klettern. Nichtsdestotrotz strengten sich sowohl das Königreich Saudi-Arabien als auch Russland an, um die von Trump geforderten 2 Millionen Barrel pro Tag zu fördern. Tatsächlich aber haben sowohl unabhängige Analysten als auch die Internationale Energieagentur (IEA) da ihre Zweifel, ob Saudi-Arabien und Russland in der Lage sind, zusätzlich zwei Millionen Barrel pro Tag zu fördern. Die IEA, die ihren Sitz in Paris hat und die Verbraucher-Staaten vertritt, schätzte jüngst, dass die so genannte „Deckung kurzfristiger Nachfragen“ (short-cut supplies) aus dem Nahen Osten, darunter aus Saudi-Arabien, bei ca 1,14 Mio. Barrel pro Tag läge. Von russischer Seite könnten bis zu 400 Tausend Barrel dazu kommen, so die Analysten. Schließlich jedoch und durch konstanten Druck der Amerikaner sind Saudi-Arabien und Russland im September zu einem geheimen Abkommen gelangt, das die Anhebung der Ölproduktion vorsieht. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete: Das Abkommen legt fest, dass Russland und das Königreich Saudi-Arabien die Ölproduktionspolitik verstärkt gemeinsam beschließen, noch bevor die übrigen OPEC-Mitglieder konsultiert werden. Laut der Quellen haben sich der saudische Energieminister Khalid al-Faleh und sein russischer Amtskollege Alexander W. Nowak bei mehreren Treffen auf eine Vereinbarung geeinigt, die vorsieht, von September bis Dezember die Ölproduktion ab einem Rohölpreis von rund 80 Dollar pro Barrel zu steigern. „Die Russen haben sich mit den Saudis darauf geeinigt, mehr Öl zu pumpen und langsam auf den Markt zu bringen, damit es nach außen nicht so erscheint, als hätten sie nach dem Befehl Trumps gehandelt und deshalb mehr Öl gepumpt,“ so die Quelle. Eine andere Quelle teilte mit: „Der saudische Minister informierte Rick Perry, den amerikanischen Energieminister, dass Saudi-Arabien die Produktion steigern werde, falls die Kunden nach mehr Erdöl fragen.“ (www.reuters.com)

Manch einer mag sich fragen, warum sich Russland Amerika anschließt, um den Aufwärtstrend des Ölpreises zu stoppen, wenn doch höhere Preise im Interesse der Russen lägen. Um die Frage zu beantworten: Eine detaillierte Betrachtung dieses Umstandes legt nahe,


dass Russland es bejahen würde, wenn der Ölpreis sich bei ca. 65 Dollar einpendelt. Denn das wäre das adäquate Preisniveau für die Erdölindustrie Russlands. Ein großer Preissprung würde es einer Reihe von Importländern erschweren, die Erdölkosten zu tragen und am Ende die Nachfrage einbrechen lassen und damit der russischen Erdölindustrie schaden.

Doch Russland stellt in diesen Kalkulationen nicht die große Gefahr dar. Wer hingegen tatsächlichen Einfluss ausüben kann, sind diejenigen Länder aus dem OPEC-Kartell, die Europa zugewandt sind. Trumps Forderungen werden daher nicht so einfach umzusetzen sein, es sei denn, es wird noch mehr Druck ausgeübt. Trotzdem ist es eher unwahrscheinlich, dass der Ölpreis die 100-Dollar-Marke erreichen wird, denn für Importstaaten wäre ein solcher Preis nicht tragbar. Die Nachfrage würde zurückgehen. In der Folge würde der Ölpreis stagnieren und ebenfalls zurückgehen. Man weiß, Trump hat ein starkes Interesse daran, dass die Preise während der Wahlphase und auch danach fallen, d. h. bis zum Jahresende. Auch wäre es nicht abwegig, dass das Thema Atomabkommen sich bereits in Richtung eines neuen bilateralen Vertrages zwischen Amerika und dem Iran und fern von Europa bewegt. Danach würde der Druck Amerikas, die Ölproduktion zu steigern, ein Ende haben, damit sich dann der Ölpreis bei 80 Dollar pro Barrel einpendelt.

Was besonders schmerzt, ist, dass fremde Mächte die Rohstoffe der islamischen Welt dazu missbrauchen, untereinander ihre Spielchen zu treiben, während unsere dummdreisten Herrscher (ruwaibiḍā) völlig blind der Politik dieser Mächte folgen und die Würde der Umma mit Füßen treten. Anzumerken ist, dass sich die größten Ölreserven dieser Erde auf islamischem Boden befinden, sei es in den arabischen Ländern, im Iran, in Afrika (z. B. Nigeria), in Zentralasien (Kasachstan, Turkmenistan) oder im Kaukasus (Aserbaidschan). Doch der Erlös aus den Erdölexporten kommt nicht der eigenen Bevölkerung zugute, die größtenteils in Not und Elend ihr Dasein fristen. Die Herrscher, ihre Familien und deren Cliquen plündern das Erdöl und schleusen die Gelder hinaus ins Ausland. Und als Trump gegenüber Saudi-Arabien während seines dortigen Aufenthaltes am 21. Mai 2017 die Hand nach 460 Milliarden US-Dollar aufhielt, da hielten sich die Al-Sauds bereit, die Forderung zu erfüllen und ihm den Betrag auszuhändigen. Allein ein reichtgeleiteter Kalif wie ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb wird imstande sein, die Muslime aus dieser katastrophalen Lage zu befreien. Ein Kalif, der die Reichtümer gerecht auf die Menschen verteilt. Den Anfang würde er bei den ärmsten der Armen machen und bei sich als Kalifen den Schluss setzen - als Letzten, der sich mit Essen und Trinken versorgt. Der Gesandte (s) sprach die Wahrheit, als er sagte: «كُلُّكُمْ رَاعٍ وَكُلُّكُمْ مَسْئُولٌ عَنْ رَعِيَّتِهِ الْإِمَامُ رَاعٍ وَمَسْئُولٌ عَنْ رَعِيَّتِهِ»„Ihr seid alle Hüter und jeder ist verantwortlich für seine Herde. Der Imam (Kalif) ist Hüter und Verantwortlicher über seine Bürger.“ (bei al-Buḫārīüberliefert)

Wer seine Bürger betrügt, dessen Strafe im Jenseits wird hart und schmerzhaft sein, so, wie es der Gesandte (s) in dem bei aṭ-Ṭabarānī tradierten adīṯ formulierte:«مَا مِنْ عَبْدٍ يَسْتَرْعِيهِ اللَّهُ رَعِيَّةً، يَمُوتُ يَوْمَ يَمُوتُ غَاشّاً لِرَعِيَّتِهِ إِلا حَرَّمَ اللَّهُ عَلَيْهِ الْجَنَّةَ»„Jeder Diener, dem Allah eine Herde anvertraut und am Tage seines Todes als Betrüger seiner Herde stirbt, dem wird Allah den Zutritt zum Paradies verwehren.“

So sieht es um diese dummdreisten Herrscher, diese ruwaibiḍāt aus. Würden sie doch nur begreifen und verstehen!

11. Ṣafar al-Ḫair 1440 n. H.

20.10.2018 n. Chr.

Nach oben

Seitenkategorie

Links

Die westlichen Länder

Muslimische Länder

Muslimische Länder